Das Problem mit Podcast-Verzeichnissen

Podcastverzeichnisse sind eigentlich eine tolle Sache. Sie bieten dem interessierten Hörer eine Übersicht über bestehende Angebote und nicht selten auch die Möglichkeit, Podcasts zu kommentieren, zu bewerten und auch direkt innerhalb aus dem Verzeichnis heraus zu abonnieren, so dass das Verzeichnis auf der Basis auch noch Mutmassungen anstellen kann, wie es mit der Popularität des Podcasts bestellt ist. So weit, so gut.

Das Problem ist, dass bei all dem Ringen um soziale Features die Podcaster selbst ein wenig ignoriert werden. Um klar zu machen, wovon ich spreche möchte ich zunächst ein gutes Beispiel nennen: das Podcast Directory im iTunes Music Store.

Nachdem man seinen Podcast im iTunes Store angekündigt hat, pflegt das Verzeichnis alles automatisch über den Feed. Alle angezeigten Informationen zum Kanal kommen aus dem Feed (abgesehen von Benutzerkommentaren und -bewertungen natürlich). Ergibt sich eine Änderung wird diese beim nächsten Update aufgenommen. Dies dauert selten mehr als ein paar Tage und hat man es eilig, den Eintrag aktualisieren zu lassen, kann man das Verzeichnis “pingen” und zur sofortigen Aktualisierung zwingen. So macht das Spass.

Dabei sei noch ein ganz besonderes Feature erwähnt. Zusätzlich zu den Standard-Informationen in RSS-Feeds kann man dem Podcast Verzeichnis von iTunes auch noch diverse weitere Metadaten mitliefern. Dies ist schön sauber über eine eigene XML-Erweiterungen realisiert und kommt mit nichts in Konflikt. Daher wird dies vom Chaosradio Podcast Network vollständig unterstützt. Besser noch: man kann so auch veranlassen, dass ein Podcast (oder auch nur einzelne Episoden) nicht – oder nicht mehr – im Verzeichnis erscheinen sollen. Und da kommen wir zum Ärger, den ich mit anderen Verzeichnissen habe.

Neben iTunes gibt es in Deutschland vor allem zwei Podcast-Portale von Bedeutung: podster.de und podcast.de. In beiden sind unsere Podcasts geführt. Allerdings sind sie das nicht nur einmal, sondern es finden sich auch die Archiv-Feeds (mit jeweils allen Episoden) der einzelnen Podcasts als auch die Kombinierten Abonnements, die ich mal auf Hörerwunsch hin eingerichtet habe.

So findet sich in Podster Chaosradio Express als auch der Archiv-Feed. Beide werden als separate Podcasts geführt. Beide erhalten separate Bewertungen und separate Kommentare. Die Vorstellung, dass Podcasts auch mehr als einen Feed haben können, fehlt. Ähnlich ist mit Chaosradio bei podcast.de: Normaler Feed, Archiv-Feed.

In Podcast-Verzeichnissen sollten diese zusätzlichen Feeds nicht erscheinen. Bis vor kurzem waren diese allerdings auch im iTunes Podcast Directory zu finden, doch konnte ich durch das simple Einblenden eines Elements in den Feeds diese selbsttätig wieder herausnehmen. Und hier beginnt das Problem: in den anderen Verzeichnissen läuft man gegen Wände.

Bei podcast.de ist man durchaus hellhörig und kommunikativ, aber sieht sich noch ausserstande, alles vollständig auf automatische Aktualisierung umzustellen. Das Verzeichnis hat sich irgendwann mal mit Feeds betankt, seitdem verliert es den Kontakt mit der Realität. Obwohl die Feeds ja alle regelmäßig geladen werden, fließen Änderungen in der Beschreibung nicht in das Verzeichnis ein. Mir ist das unverständlich. Besserung wurde gelobt, ich bin gespannt.

Ganz schlimm ist es allerdings bei Podster, die nicht mal eine offizielle E-Mail-Kontaktadresse haben. Auf Anfragen die auch mit dem Online-Kontaktformular abgesendet wurden gibt es seit Wochen und Monaten keine Antwort. Kein guter Stil.

Was mich daran so nervt ist, dass hier die Verzeichnisse zwar mit den Angeboten der Podcaster Online-Communities aufbauen und Werbeeinnahmen generieren, aber für die Podcaster selbst nur ein eingeschränkt offenes Ohr zu haben scheinen. Das muss sich ändern. Bislang halte ich die Verweise auf podster.de und podcast.de aufrecht, in der Hoffnung auf Änderungen. Aber bei podster.de verliere ich so langsam die Geduld. Zwei Monate sollten eigentlich genug sein, um auf Anfragen zu reagieren.

Ich möchte hier jetzt keinen Mob lostreten sondern nur mal mein Leid klagen. Bei der Weiterentwicklung des Podcastings in Deutschland könnten die Portale eigentlich einen großen Beitrag leisten, aber das wird derzeit noch nicht genutzt. Was schade ist.

Update: Nun hat sich auch Podster mal gemeldet. Sieht nicht so aus, als ob sich viel tun würde, aber vielleicht verschwinden wenigstens die doppelten Feeds. Mal sehen.

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4 Responses to Das Problem mit Podcast-Verzeichnissen

  1. mds says:

    Ist Dein Lob für iTunes so zu verstehen, dass man ChaosRadio per iTunes und nicht mehr direkt von der ChaosRadio-Website abonnieren sollte?

  2. Tim Pritlove says:

    @mds: Nein, ist es nicht. Das Lob bezieht sich schlicht auf die Funktionalität des Verzeichnisses, die einfach so ist, wie sie sein sollte. Mir fällt da wenig zu ein, was man daran ändern sollte.

    Wo man abonniert bleibt jedem selbst überlassen. Genau deswegen biete ich ja auf der jeweiligen Seite alle Möglichkeiten direkt an: der direkte Link (wahlweise über andere Protocol-Schemes wie pcast: oder feed:) und der indirekte Weg über die verschiedenen Verzeichnisse wie iTunes, Podster oder Podcast.de. So kann jeder selbst entscheiden, wie er es machen möchte.

    It’s all about choice.

  3. mds says:

    Apropos «choice»: Worin genau besteht die Wahl? Gibt es Unterschiede zwischen den Quellen oder erhält man überall früher oder später den genau gleichen Podcast?

  4. Tim Pritlove says:

    @mds: Die Wahl besteht, wie und womit Du abonnierst. Der Content ist immer derselbe. Letztlich läuft es immer darauf hinaus, dass der Client der Wahl am selben Feed nuckelt.

    Auf die jetzt kommende Frage, warum man über eines der Portale gehen sollte: jedes Portal stellt ja selbst auch eine Community dar, wo man seine Subscriptions explizit bekanntgeben will, Podcasts kommentieren und bewerten möchte.

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