Chaosradio lebt jetzt seit über 12 Jahren und hat in der Zeit einiges an Veränderung und Verwandlung durchgemacht. Begonnen haben wir einst mit Johnny, der massgeblich daran Verdienst trägt, dass die Sendung das geworden ist, was sie war, weil er uns hat machen lassen, obwohl wir nicht immer dem “Standard” gerecht wurden, den er in seinen eigenen Sendungen auf Fritz an den Tag gelegt hat. Chaosradio war anders.
Anfangs haben wir einfach nur gemacht und daraus entwickelte sich dieses spezifische “Format”, das später von zahlreichen Projekten adaptiert wurde, was gut war und ist. Nach dem Weggang von Johnny behielt Chaosradio seine Art bei, so dass auch mit Max von Malotki und später Holger Klein der Stil ähnlich blieb: viel Technik, viel Wahnsinn und ein ganz spezifischer Eigensinn, der immer mit dem Risiko spielte, das Hörerpublikum von Fritz nur partiell anzusprechen.
Wie sehr es uns in der Zeit immer gelungen ist, das Fritz-Publikum mitzunehmen, blieb weitgehend unklar. Klar war nur, dass sich Chaosradio eine ganz eigene Stammhörerschaft aufgebaut hatte, die mit dem “normalen” Fritz-Publikum nur begrenzt Überschneidungen aufwies. In einer Zeit, die noch primär von UKW und Satellit und wenig vom Internet geprägt war, eine in gewisser Hinsicht mutige, in unseren Augen aber auch notwenige Vorgehensweise, denn wir wollten ja auch immer bewusst auf diese der Masse weitgehend unbekannte “Nerdkultur” hinweisen und auch immer Leute mitnehmen, die sonst vielleicht nie zu uns gefunden hätten, was auch gelang. Viele Leute kamen über Chaosradio zum CCC, zum Congress und zur Szene im allgemeinen.
Dann kam Internet. Genau genommen war es natürlich schon immer da, aber mit der Verbreitung von DSL in den Heimen und dem Netz als solchen in den Köpfen war es irgendwann real, greifbar, präsent. Ganz anders als zu der Zeit, in der wir begonnen hatten. Und vieles muss heute auch nicht mehr erklärt werden, bedarf keinerlei weiterer Pionierarbeit. Es gibt jetzt “Chaosradios” an vielen Orten, es gibt Netz, Hacker und Nerds sind zunehmend was Normales und vor allem ist die Beschäftigung mit Technik allgegenwärtig. Hier ist unsere ursprüngliche Aufgabe ein Stück weit auch erfüllt worden.
Seit 2005 vollzieht sich daher langsam ein weiterer Wandel, der mit diesen Realitäten einher geht. Hier fließen auch noch weitere Entwicklungen mit ein.
Zum einen gibt es jetzt Podcasting. Chaosradio kann wohl getrost als ältester deutscher Podcast gelten, da wir die Sendung schon seit gut 10 Jahren zum Download bereitstellen – natürlich fehlte früher der Feed, aber das “Format” entsprach schon immer dem, was heute in Podcasts üblich und bewährt ist. Daher war es nur konsequent Chaosradio auch als Podcast anzubieten und aus der selben Logik entwickelte sich dann auch Chaosradio Express als “reiner” Podcast, der auch davon lebt, eben keine Live-Sendung auf einem Radiosender zu sein und daher anders experimentieren darf und muss und es auch tut.
Heute ergänzen sich Chaosradio und Chaosradio Express – sie stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Die Stammhörerschaft dürfte wenig bis keine Probleme haben, auf CRE als “Internet-Only” Medium zurückzugreifen. Aber auf UKW haben wir auch immer noch die “anderen” Hörer, die wir auch erreichen wollen, die wir aber früher eher im Regen haben stehen lassen. Das war nicht immer gut und sinnvoll. Man muss sich auch davon lösen, die Welt in einer Schwarz-Weiß-Mentalität in “Leute wie wir” und DAUs zu unterteilen. Das ist weder fair noch produktiv, denn man vergisst dabei, die Aufgeschlossenen mitzunehmen.
Dazu kommt die Verkürzung unseres Blue-Moon-Slots auf zwei Stunden (die nichts mit Chaosradio zu tun hat sondern schlicht auf eine generelle Änderung des Sendeplans von Fritz zurückzuführen ist). Früher haben wir viel Wert auf ausführliche technische Erläuterungen gelegt, aber das braucht viel Zeit. Chaosradio ist ein Talk-Radio und lebt auch von den Anrufern. In zwei Stunden bleibt – wenn man Musik, Nachrichten und Jingles abzieht – nicht mehr viel Zeit für Erklärungen, wenn man auch mit Anrufern reden möchte. Dazu kommt, dass es sich über technische Erläutern meist nicht so gut diskutieren lässt, wie über Themen, die viele Leute sowieso bewegen.
Daraus resultiert eine grundlegende Änderung unserer Ausrichtung, die wir in diesem Jahr schon recht sichtbar vollzogen haben: Chaosradio wendet sich verstärkt den gesellschaftlichen Themen, Chaosradio Express verstärkt den technischen Themen zu. Was nicht ausschließt, dass das jeweils andere Thema auch im jeweils anderen Sendeformat zur Sprache kommt. Die Schwerpunkte verschieben sich, die Ziele bleiben die gleichen.
Denn wir wollen auch Leute erreichen, die wir bislang nicht erreicht haben. Und auch wir brauchen einen regelmässigen Realitätsabgleich und müssen uns der Diskussion stellen. Auch deswegen ist Chaosradio anders geworden. Das liegt nicht an Fritz, nicht an Jakob Kranz, der uns jetzt seit einiger Zeit als neuer Moderator begleitet und sich bemüht, uns bei der Übersetzung der komplexen Sachverhalte zu unterstützen (was nicht immer einfach ist).
Nicht jeder mag mit diesem Weg so ohne weiteres einverstanden sein. In Euren Kommentaren zu den Sendungen und auch in Blogs kommt dieses auch zur Sprache – und ich habe dafür Verständnis. Aber ihr müsst auch sehen: Chaosradio öffnet sich und passt sich auf die geänderten Gegebenheiten der Sendungszeit, der Änderung in der Hörerschaft und in der Gesellschaft im Allgemeinen an. Waren wir vor zwölf Jahren noch die einzigen sind wir heute zunächst ein mal nur die, die am längsten dabei sind. Aber das allein qualifiziert nicht. Man muss sich weiterentwickeln. Wer aufhört sich zu bewegen, endet im Stillstand.
Und ich denke, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Das beste Beispiel dafür ist die Sendung von gestern, in der Frank, Constanze und Dirk sehr aktuell und ausgesprochen wohlinformiert über die aktuellen Ereignisse aus Karlsruhe berichtet haben. Wir hatten natürlich Glück, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgerechnet am Tag der Sendung verkündet wurde, aber ich denke, das ist auch das Glück der Tüchtigen.
Aber wäre es nicht so gekommen hätten wir uns unter Garantie in ähnlicher Runde in einer Sonderausgabe von Chaosradio Express zusammengesetzt und hätten auch versucht live mit Hörern zu plauschen – das ist eine der technischen Herausforderungen, die wir künftig meistern wollen, um Chaosradio als ganzes weiterzuentwickeln und voranzubringen.
Denn es gibt noch eine Menge voranzubringen. Das Prinzip “Radio” ist jetzt gut 85 Jahre alt und steht mit dem Aufkommen des Internets als künftigem Universaldistributionsmedium sowohl vor einer umfassenden Weiterentwicklung als auch vor einer Renaissance. Was könnte man sich mehr wünschen, als an dieser Bewegung teilzuhaben.
In diesem Sinne freuen wir uns, Euch als Hörerschaft mit an Bord zu haben und hoffen natürlich auch in Zukunft auf Eure Unterstützung und Gewogenheit. Projekte wie das Streaming-System und auch viele andere Tips und Kleinigkeiten die hier und da beigesteuert werden helfen ungemein, motiviert zu bleiben. Wir sind stolz auf diese lebendige und findige Community und wollen auch in Zukunft dafür sorgen, das ihr mit uns anders bleibt und dass sich Chaosradio so weiterentwickelt, wie wir es uns alle wünschen.
Pingback: netzpolitik.org: » Früher war alles besser beim Chaosradio » Aktuelle Berichterstattung rund um die politischen Themen der Informationsgesellschaft.
Ich möchte noch dazu erwähnen das das streaming gestern 1a funktioniert hat. Lob dafür.
Ebenfalls ist die Aufzeichnung 1 Tag nach veröffentlichung Online gewesen. Das war nicht immer so. Lob dafür!
… und die Sendung! Sie war natürlich auch Super. Auch hier nocheinmal ein Lob :)
MfG
Chris
Pingback: Jensemanns » Chaosradio im Wandel
Sehr schöner Text, hat mir gut gefallen!
Klare Worte. Nun weiß jeder, wohin die Reise geht. Finde die Aufteilung in gesellschaftliche und technische Themen gut und in Anbracht der “neuen” Rahmenbedinungen auch nur konsequent. Wenn man schon die Möglichkeit hat, über das Medium Radio Nicht-Geeks zu erreichen, sollte man sie auch nutzen – denn Aufklärung tut not.
Urgs, mein “in Anbracht” sollte natürlich “in Anbetracht” lauten. Ist schon spät. :-) Ergänzung: Das anscheinend von vielen Stammhörern vermisste “Geek-Talkradio” findet vielleicht in einem neuem Podcast seine Auferstehung? Die Express-Ausgabe sollte nämlich anruferfrei bleiben.
@Wurstmann: CRE wird sicherlich nicht zum Talk-Radio, aber ab und zu könnte man das machen. Ggf. auch mit einer QA-Session am Ende des Podcasts statt Permanent-Talk. Aber das muss sich zeigen.
Also ich finde ihr macht das durch die Bank super!! Mittlerweile höre ich eigentlich kaum noch andere Radiosendungen als CR und CRE. Da mein Tag auch nur 24h hat scheint mir das die beste Auswahl aus den vielen Angeboten zu sein. Ich freue mich jedenfalls schon immer auf neue Folgen von euch nicht ganz so chaotischem Chaotenhaufen ;)
Alles in allem weiter so und danke für den vielen (und guten) Fisch…
moin,
ich muss zugeben, dass ich nun einige zeit keine chaosradiosendungen mehr gehört habe. erstens aus zeitgründen und zweitens weil du, tim, seit einiger zeit eine recht hohe schlagzahl bei den CRE´s vorlegst. die müssen ja auch alle abgearbeitet werden. ;-)
ich fand den schritt von holger zu jakob, verbunden mit der verkürzung von 3 auf 2 stunden auch sehr “krass” – was jetzt wertfrei zu verstehen ist.
insofern und vor dem hintergrund der von dir hier geschilderten informationen muss ich sagen: trotzdem und vor allem deswegen: top! macht weiter so!
achja, schnell mal zu dem thema von manka: ich höre CR und CRE meist auch “nur” auf dem weg zur arbeit, wenn ich die kids von der kita abhole, auf dem weg zum sport und eben auf dem “laufrad” im sport. das ist nicht viel zeit und dementsprechend reduziert sich mein konsum von podcasts auf nahezu ausschliesslich auf diese beiden sendungen…
wie auch immer: dem gesamten ccc, dem CR team und vor allem dir tim: DANKE für die sendungen! hat bei mir viel verändert im kopp, der “wahrnehmung” und logischerweise entsprechend auch bei meinem umfeld… achja, und nebenher hab ich auch richtig spass, denn bisher waren einfach ALLE sendungen SEHR unterhaltsam!!! :-)
Ich finde für mich im regulären Chaosradio keine Inhalte mehr. Das war früher anders und hat nix mit Schwarz-Weiß-Mentalität zu tun. Das ständig erklärt wird was technischer ist als ein Bleistift, ist nicht das Problem. Das Problem ist, das die Diskussion nicht mehr darüber hinausgehen darf. Das nicht auch mal 30 Sekunden über den Horizont des angenommenen dümmsten anzunehmenden Hörers hinaus geredet wird. Dem “Normalo” wird nicht zugemutet mal selbst zu recherchieren, niemand wird intellektuell gefordert. Das trägt imo viel mehr dazu bei eine Schwarz-Weiß-Welt zu schaffen als sie aufzulösen.
Und wenn fd0 erst als ford0 dann als ft0 angesprochen wird, ist das zwar nicht schlimm, aber symptomatisch: Der Moderator hat zum CCC etwa so viel Bezug wie eine Bockwurst zu einer Salatschleuder.
Ich finde die “Zweiteilung” ausgesprochen gut. Die Öffnung zu einem weiteren Publikum ist von sehr sehr vielen DAUs da drausen mit Freude aufgenommen worden. So zumindest meine Erfahrungen.
Was das CRE angeht könnte es durchaus hin und wieder noch etwas technischer sein, z.B. die Sendung über C++ hätte durchaus noch etwas mehr ins Detail gehen können.
Ansonsten: Chaosradio? Beide daumen hoch!
CX
PS aus Also sprach Zarathustra, F. Nietzsche, Erster Tehil,. Bild 5:
“Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.”
:-))
Ja früher war alles viel besser, die Zeiten ändern sich und die Menschen auch und zwar die meisten im negativen Sinne :-(
Meiner Meinung nach ist die Aufteilung von CR und CRE genau richtig, im Fritz sollte man versuchen, die “große Masse” zu erreichen, im CRE können die speziellen Themen besprochen werden. Und gerade im CR merkt man gerade durch eine Vielzahl von Anrufen, wieviel DAUs sich das anhören ;)
Naja, Jakob hat halt das Stigma, dass er zur selben Zeit kam wie die Kürzung der Sendung und nebenbei auch noch in sehr große Schuhe steigen muss. Ich bin sicher, das legt sich mit der Zeit noch, die ersten Auftritte von Holgi et al waren auch nicht so viel besser.
Das einzige was mich an CR stört ist ein wenig die Themenfixierung. Die letzten 6 Folgen hatten bis auf eine alle Überwachung zum Thema (gut, die BigBrother Sendung nicht in dem Umfang) – Sicherlich, wichtiges Thema und insbesondere die Letzte Sendung war interessant aber in der Bündelung wird es eintönig, wenn man bedenkt, wie vielseitig CR früher war.
Insgesamt finde ich die Trennung auch sehr begrüßenswert und kann mich vor eurem Engagement und eurer Arbeit nur verneigen! Da ich aber noch kein halbes Jahr CR & CRE höre, empfinde ich den Wechsel von Holgi zu Jakob zwar, aber nicht so krass. Möchte aber flynns Anaphyis unbedingt zustimmen. Für ein zu breites Publikum darf sich CR nicht öffnen, da sonst die Stammhörerschaft mittelfristig byebye sagt.
Ich kann mich den Vorrednern eigentlich nur anschließen. Ich höre nun auch schon seit einiger Zeit CR und CRE und ich finde die Entwicklung sehr gut. Das sich CR öffnet und sich mehr “gesellschaftlichen” Themen widmet ist gut und wichtig. Der CCC macht immer bessere und wirksame Öffentlichkeitsarbeit, was in Anbetracht der Themen auch nötig ist. Wir Technikinteressierten – egal ob Hacker, Entwickler, Nerd, … – sollten uns verpflichtet fühlen unseren Mitmenschen zu helfen ein Verständnis von den aktuellen Vorgängen zu vermitteln. Es betrifft nun einmal jeden – nur dass es einigen einfach nicht so bewusst ist, was in der Welt passiert in der auch sie selber leben.
Äußerst positiv finde ich auch die Entwicklung bei CRE. Es ist immer wieder spannt, informativ und interessant über die verschiedensten Gebiete etwas zu hören. Auch deinen Streben, Tim, immer wieder verschiedenste Domänen zu verbinden finde ich absolut klasse.
Weiter so Tim und alle anderen! Danke für eure tolle Arbeit!
Besteht Aussicht darauf, dass CRE noch etwas «chaotischer» wird, sprich sich noch andere «Chaoten» jenseits von Tim am Projekt beteiligen?
Tim macht seine Sache sehr gut, aber was sich «Chaosradio» nennt, ist momentan Tims Podcast. Und diese Abhängigkeit von einer einzigen Person ist erfahrungsgemäss keine gute Idee.
Pingback: Chaosradio II « Cynq
Vielleicht noch eine Anregung zum CRE: Ich fände es nicht schlecht, wenn man Themen aus vergangenen Chaosradio-Sendungen nach einiger Zeit im CRE nochmal aufgreifen würde. So unter dem Aspekt “Was ist draus geworden?”, “Wie hat sich das weiter entwickelt?” oder “Wie ist da gerade der aktuelle Stand”. Spontan würde mir da bspw. die Gesundheitskarte einfallen, die ja vor einigen Wochen (?) wieder in den News war. IMHO würde sich da CRE gut dafür eignen.
Ansonsten: Weiter so!
Das hier ist ja schon fast eine epische Rede wie in einem Fantasy-Film.
Da traut man sich ja fast gar keinen Kommentar zu schreiben.
“Naja, Jakob hat halt das Stigma, dass er zur selben Zeit kam wie die Kürzung der Sendung und nebenbei auch noch in sehr große Schuhe steigen muss.”
_Ich_ beurteile Kranz lediglich nach seiner Performance in der Sendung und da ist es halt so, dass er extrem oft damit auffällt, die Leute vom CCC zu bremsen und fast schon verbieten zu wollen das manche Dinge On Air gesagt werden. Für mich ein klarer Widerspruch zur Agenda des CCC. Ob da hinter den Kulissen noch irgendwas abläuft/abgelaufen ist, was man als Zuhörer natürlich nicht wissen kann (also z.B. das es mal Ärger gab wegen zuviel “Open-Mindedness while On-Air on öffentlich-rechtlicher Radioshow”), ist natürlich nicht zu beurteilen, jedenfalls würde ich den Kranz’schen Zensurversuchen noch mehr Abneigung entgegenbringen, wäre es nicht so; würde er diese Rolle quasi im vorauseilenden Gehorsam wahrnehmen. In einem Chat dazu fragte sich mal jemand, ob man vielleicht nicht befördert wird, wenn man zu frech in den Shows ist – dann ist man eben lieber “brav”. Es hat ja allein ~5 Folgen gedauert, bis er den Link zur Chaosradio-Seite kannte. Fantastische Vorbereitung auf die Sendung, Respekt.
Für mich hat sich inzwischen der Eindruck festgesetzt, dass den Kranz allgegenwärtig ein deutlicher Hauch von Konformismus umweht und es für ihn wohl ein Schock gewesen sein muss, so Leuten wie den CCC’lern gegenüber zu stehen. Zu hören, was teilweise aus dieser Ecke kommt, hat für ihn wohl eine Welt zusammenstürzen lassen. Unsere Gesellschaft setzt sich zwar überwiegend aus dieser Personengruppe zusammen, jedoch ist das hier nun mal das Chaosradio und keine Kirchengruppe. Gebetet wird woanders, deal with it. Vielleicht war jedoch auch Holgi einfach nur ein unglaublicher Glücksfall für das Programm und man darf einfach nicht erwarten das es möglich ist, noch einmal einen solchen Radiomoderator auftreiben zu können.
Im Allgemeinen finde ich aber nicht das CR schlecht geworden ist. Echt nicht. Nachdem man die ersten Folgen nach dem Moderator-Wechsel überlebt hatte, ging es wieder. Die letzte Sendung fand ich echt mal wieder gut. Auf Aktuelles einzugehen, gerade wie auf das Urteil des BVerfG ist klar angebrachtes Material für eine Radiosendung und für das Chaosradio als solches. Da es auch viele Anrufer gab, ist es nicht zu weit hergeholt zu behaupten, dass das Thema viele Menschen interessiert hat. Das ist doch toll! Was dann auch wiederum nicht zuletzt der Verdienst von Sendungen wie dem CR selbst ist, denn Informationen dazu sind immer noch keineswegs Mainstream. Sorgen über den Inhalt des CR würde ich mir deshalb auch erst dann machen, wenn die gleichen Dinge besprochen würden, wie in diversen anderen, belanglosen Talkshows. Derzeit liefert das CR aber nicht einmal einen Grund dies auch nur zu befürchten.
PS: Zum Thema Kranz und Blue Moon-Kürzung fällt mir auch noch eine Szene aus den ersten Folgen mit ihm ein. Ein Anrufer sagte nebenbei noch, dass er es schade findet das es nun 2 statt 3 Stunden ist. Kranz fiel ihm _sofort_ ins Wort und maulte ihn gerade zu an, dass das hier nun mal das Chaosradio ist und so etwas nicht hierher gehört, hätte er Kritik, könnte er sich ja an den Sender wenden. BUFF. Ich hatte den Eindruck das die anderen Leute im Studio auch etwas überrascht waren, angesichts seiner überzogenen Reaktion. Besonders, da es sich ja um eine völlig legitime Bemerkung handelte. Wer von den Hörern machte sich denn keine Gedanken über die Kürzung? Es ist nur natürlich dies dann auch in der Sendung zu erwähnen, ist man schon mal dabei.
Für mich stellt er somit ganz klar eher eine Art “konservativen Einfluss” dar, der mal so richtig dafür sorgen soll oder will, dass im CR wieder mehr “Zucht und Ordnung” herrscht.
PPS: No offence.
Also, ich verpasse einfach mal keine Sendung CR sowie CRE. Super genial, auch die letzten.
Was mich aber im CR freuen würde, wenn evtl. die Anrufer mehr “auf den Punkt” gebracht würden – nach _MEINEM_ Geschmack wird zu viel einfach nur “geplaudert”, man hat das Gefühl es sind Leute die anrufen: “Hey, ich bin jetzt im Radio”.
Die Balance zu halten zwischen Nerd Radio wo Leute anrufen und in c code reden (-> echoe “Das tolle Lied” *GRINS*) und gleichzeitig techniklastige Themen unter die Menschen zu bringen und Ihnen zu vermitteln: Leute, technische Dinge kann man auch aus nicht-technischer Sichtweise sehr interessant finden – total schwer, meinen Respekt.
Aber evtl. könnte eben in Zukunft probiert werden, MEHR Hörer zu Wort kommen zu lassen, diese allerdings ein bisschen “kürzer” zu halten…
CRE sollte meiner Meinung nach weiterhin “Non-Anrufer-Only” bleiben – diese tiefen Diskussionen, das schöne Gespräch was sich zwischen Tim + Gast entwickelt würde total zerrissen werden. Außerdem würde es bestimmt schwerer fallen, eine Agenda, den Roten Faden, abzuarbeiten, um ein Thema zu bewältigen. Auch wenn evtl. nciht immer geplant, klappt dies sehr gut (z.B. der WoW-Talk: Einführung, super gut ende. Mit anrufern wäre evtl. alles plötzlich ZU komplex geworden).
Vllt. sollte man solche Sendungen unter CRE-TALK veröffentlichen oder so… Evtl. mit Live-Chat, so dass das Gespräch nicht unterbrochen, aber durch Fragen/Kommentare geleitet würde….
Alles in allem:
WEITER WEITER und nochmals WEITER so :)
Ganz großes Kino!
Ich gebe meinem Vorredner RC in allen Punkten Recht. Finde es außerdem schade, dass angesichts der Verkürzung der Sendung von 3 auf 2 Stunden manchmal einfach zuviel Zeit verquasselt wird. Manchmal wünsche ich mir auch etwas mehr Gegenrede. Aber vielleicht täuscht auch der Eindruck.
Finde es aber ausdrücklich gut, dass man bestrebt ist, ein breites Publikum mit der Sendung zu erreichen.
Mich nervt an den neueren CR-Sendungen eigentlich nur das übertriebene Berlinern von Frau Kurz.
Ich verstehe die Kritik an Jakob Kranz jetzt nicht so ganz. Meines erachten ist es die Aufgabe eines Moderators offTopic Diskussionen abzuwürgen, dazu ist die Sendezeit einfach zu kostbar egal ob jetzt 2h oder 3h.
Die Kritik an Jakob Kranz ist ganz einfach:
Für ein angeblich “junges” Radio wie Fritz ist er am falschen Platz.
Für das, was früher mal Chaosradio war, ist er der Tod.
Tschuldigung, aber das ist meine ehrliche Meinung als Hörer.
Ich empfand die Neuausrichtung ehrlich gesagt nicht als Übergang vom “alten” Chaosradio zum “neuen”, sondern als recht deutlichen Bruch – und das war auch schon so, als Holgi noch moderiert hat. Angesichts der politischen Situation finde ich die Neuausrichtung des Chaosradio aber durchaus angebracht und wichtig, auch wenn damit einen gewisse Monothematik einhergeht. Mit Holgi hat das aber immer noch Spaß gemacht, mit Jakob Kranz gibt es diese spaßigen Momente nicht mehr und damit geht etwas für mich Essentielles vom Chaosradio verloren. Vor allem kann ich nicht erkennen, daß der Kranz sich für Chaosradio interessiert oder in irgendeiner Weise bemüht ist, sich darauf auch nur einzulassen. Wenn er die Sendung nicht machen will, sollte er für jemand anderen Platz machen und wenn er der Meinung ist, daß im Chaosradio bestimmte Dinge nicht gesagt werden dürfen, dann ist er definitiv in der falschen Sendung Moderator.
Wenn Chaosradio nur weiterbestehen kann, indem man sich mit diesem Moderator abfindet, dann muß wohl oder übel in diese Zitrone gebissen werden, auch wenn dabei einige alte Hörer auf der Strecke bleiben. Ich habe selbst auch keine Lust, mir das Gejapse vom Kranz anzuhören, wenn jemand auch nur erwähnt, daß es zu einfach ist, eine Bombe zu bauen, als daß das ernsthaft durch Sicherheitspolitik verhindert werden kann. Wenn nun aber die Öffentlichkeit über solche Dinge aufgeklärt werden soll, dann muß eben gesagt und anschaulich gemacht werden können, daß das Bauen einer Bombe von jedem halbwegs aufmerksamen Schüler der 8. Klasse bewerkstelligt werden kann. Mit Holgi konnte über Phrasen wie “handelsüblicher Plastiksprengstoff” gelacht werden – der Kranz würde vermutlich vor Schreck den Stecker ziehen.
Ich finde es trotzdem gut, daß es das Chaosradio gibt und es eine aufgeklärte, technische Sicht der Welt vermittelt, auch wenn ich selbst nicht mehr einschalten mag. Aber bei mir wäre das ohnehin nur “preaching to the converted”, ich habe diese Sichtweise längst angenommen und Chaosradio nur noch um des Spaßes willen gehört. Denn Spaß wird es mit Kranz nicht mehr geben und irgendwo finde ich das auch schade. Andererseits gibt es im Moment auch wichtigere Dinge als Spaß und wenn das Chaosradio noch einen Beitrag zur Verteidigung der letzten Reste von Freiheit in Deutschland (und vielleicht deren Rückgewinnung) leisten kann, dann muß diese Chance genutzt werden, egal ob das dem Kranz, Fritz oder dem alten Chaosradio-Publikum gefällt. Vielleicht ist es auch ganz nützlich, jemanden wie den Kranz als Moderator zu haben, so haben die Leute im Studio immer vor Augen, mit was für einer ängstlichen Borniertheit sie es bei allzu vielen Leuten zu tun haben.
Also, ich finde den Ansatz eigentlich ganz gut. Höre CRE sehr gerne auch wenn ich mich damit abfinden muss, dass ich nicht alles verstehe. Aber meistens kann man das als interessierter Laie mit viel Spannung verfolgen. CR… naja, habe ich früher richtig gerne gehört… aber, so manche Gespräche haben schon ziemlich genervt und das Niveau setzt wirklich beim DAU an, vor allem was die Nachfragen des Moderators angeht. Und wenn er dann nach Basics fragt, die schon mäßig interessierte User aus dem ff beantworten könnten, dann nervt das schon gewaltig. Nur die bescheidene Meinung eines interessierten “normalen”.
Aber insgesamt schön, dass es beide Formate gibt. Und dafür auch einfach mal: Danke.
Grüße Nica
Da habt Ihr recht früher war wirklich alles besser.
Das Radio das Fernsehen einfach alles