CR207: Chaos macht Schule & Jugend hackt

Oder: Technikkompetenzvermittlung in Deutschland.

Wir schreiben zwar mittlerweile das Jahr 2014, aber Thesen wie “Moderne Elektronik lasse die Jugend verblöden“, wollen einfach nicht aussterben. Dabei ist es in einer Welt, in der unser Leben durch Technik reguliert, bestimmt und beeinflusst wird, überlebenswichtig zu verstehen, wie Hardware und Software benutzt, kontrolliert und verändert werden kann. Projekte wie “Jugend hackt”, “Chaos macht Schule” oder “CoderDojo” wollen genau das ermöglichen.

Im Chaosradio 207 haben wir deshalb VertreterInnen der verschiedenen Projekte eingeladen um sie euch vorzustellen. Außerdem soll es um die Frage gehen, welche Mittel und Wege sich in der deutschen Bildungspolitik etabliert haben, um Medienkompetenz (erfolgreich?) zu vermitteln. Und falls ihr noch alberne, überraschende oder erfreuliche Geschichten über medien(in)kompetente Lehrkörper habt, könnt ihr die gerne zum Besten geben.

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4 Antworten auf CR207: Chaos macht Schule & Jugend hackt

  1. Marc van Woerkom sagt:

    In den letzten Jahrzehnten gab es eine erstaunliche Wende im Image von Programmierern von Ingeneurtypen und komischen Käuzen hin zum coolen Rockstarprogrammierer. Eher befeuert durch erstaunliche Einzelkarrieren, als durch die Realität. Ich wüsste jetzt keinen Elektroingenieur, Maschinenbauer oder Chemiker, der eine ähnliche Imageaufwertung erfahren hat, obwohl die Beiträge dieser Gruppen genau so enorm wichtig für unsere hochtechnisierte Gesellschaft sind.

    Vielleicht liegt es ja daran, das mit dem Einzug der PCs in alle Haushalte potentiell jeder die Möglichkeit hat auch mal in die Programmierung einzusteigen und da mal mitmachen will. Eine Möglichkeit, welche gerade mit dem Siegeszug der Smartphones und Tablets – momentan eher passive Konsumiermaschinen – eher abnimmt.
    Das Aufkommen der Makerbewegung, mit dem Anspruch eigene Hardware (und da ist heute immer Software mit drin) lässt jedoch hoffen, das hier aktiver Kern von Leuten
    verbleiben wird.

    Es soll jeder die Möglichkeit haben sich dieses Wissen anzueignen, man soll sich allerdings nicht zuviel davon versprechen. Der größere Einfluss in der Softwarewelt liegt inzwischen bei den Softwarearchitekten, den Leuten welche die Technologien auswählen und die Informationsflüsse und Systemeigenschaften festlegen, der gemeine Programmierer ist in vielen Dingen nicht mehr frei und eher mit der Ausführung der Details beschäftigt. Ein Beispiel ist die aktuelle Computerspieleentwicklung. Es sind hier die Gamedesigner, von denen man hört, Entwickler spielen keine große Rolle mehr, außer bei den Spezialfirmen für Gameengines und Werkzeugen, wie Graphikprogrammen.

    In soweit hinkt der Wunsch es den Heroen nachzutun m.M. nach ein bisschen der aktuellen Realität der Machtverhältnisse im Technologiesektor hinterher. Man muss sich auch klarmachen, das die Thematik komplex ist und man als Laie nur ein gewisses Stück mitkommt. Soll man sich von den Experten deswegen alles vormachen lassen, sicher nicht. Der positivste Aspekt dürfte eher sein, mehr Nachwuchs für das Thema zu begeistern.

    Seit 2013 gibt es den Begriff Big Data. Der Data Scientist wird zunehmend wichtiger. Hier dürfte es schwierig werden, als Einzelner mitzuhalten, weil man große Speicher-, Rechen- und Netzressourcen benötigt. Da hoffe ich persönlich, das vielleicht doch Peer to Peer Technologien nochmal populärer werden, damit sich Einzelne gegen große Unternehmen behaupten können, z.B. durch Aufbau einer unabhängigen verteilten Suchmaschine.

    Es bleibt spannend. Und der Kommentar ist zu lang geraten. Egal. :-)

  2. Heinz sagt:

    “VertreterInnen”
    Oh man jetzt hat der Gender(sprech)schwachsinn hier auch schon Einzug erhalten.
    -.-

  3. Olaf sagt:

    Irgendwie fand ich das schon komisch, als in der zweiten Stunde die einelnen Projekte vorgestellt wurden, dass dort die Beschreibung von “Jugend hackt” fast kaum von dem abweicht, was in der ersten Stunde so kritisiert wurde (auch von den “Jugend hackt” Vertretern). Da wurde kritisiert, dass gerade das medienwirksame Auftretten der Bitkom nur die wirtschaftlichen Aspekte im Blick hat und allgemein bei solchen Projekten nur die angesprochen werden, die sich bereits dafür interessieren.
    Bei “Jugend hackt” sollen sich die Kinder möglichst selber anmelden! Welches nicht interessierte Kind wird sich anmelden? Bei “Jugen hackt” wird an einem Wochenende ein Produkt hergstellt. Was ist daran nicht wirtschaftlichs Interesse? Es werden also auch wieder interessierte Kinder mit anderen interessierten Kindern zusammengebracht und dann wird zielgerichtet vermittelt, wie man Ideen in ein Produkt umsetzt. Bitte was hat das mit Medienkompetenz zu tun?
    Versteht mich nicht falsch, ich halte die Förderung von Jugendlichen im Umgang mit Ihren Interessen für richtig und sinvoll und zwar nicht nur im IT-Bereich. Daher finde ich es auch angebracht das entsprechende Angebote wie “Jugend hackt”, “Jugend forscht”, “”Jugend musiziert” u.a. vom Staat gefördert werden sollten.

    Um aber Medienkompetenz aufzubauen sind eher Projekte wie “Chaos macht Schule” wichtig. Hier werden alle Personen (in diesem Falle Schüler) angesprochen und es wird versucht diesen an Themen zum Umgang mit Medien und Technik heranzuführen. Es geht ja bei Medien- und Technikkompetenz nicht darum jemandem das Programmieren beizubringen, sondern die Möglichkeiten und die Gefahren im Umgang mit Medien und Technik aufzuzeigen, damit jeder seinen Umgang damit finden kann.

    Ich möchte das mal mit dem Autofahren vergleichen. Wenn man jemand, der noch nie ein Auto gesehen hat, in ein selbiges setzt wird er nicht wissen, welchen Nutzen oder welchen Schaden er davon hat oder anrichten kann. Wir werden in unserer Geselschaft bereits von Kind auf mit dem Auto vertraut gemacht. Als Kinder lernen wir beim Überqueren einer Strasse, dass Autos Schaden anrichten können, weil sie schwerer und stabiler als der eigene Körper sind. Als Jugendliche schauen wir uns die Fahrweise von Erwachsenen an und verinnerlichen diese. Wir wissen z.B. das es Vorgaben gibt auf die man achten muß und dass gewissen Fahrweisen vorteilhaft sind (Verkersschilder beachten, Abstand halten, …). Und wenn wir dann den Führeerschein machen, lernen wir die Details zur Bedienung eines Fahrzeuges.

    Die Entwickllung der modernen Medien und der dahinter stehenden Technik verläuft aber so rasant, dass die Geselschaft nicht in der Lage ist, die Kinder und Jugendlichen auf einen “normalen” Umgang mit den Medien vorzubereiten.
    Ich bin daher der Meinung, dass die Schwerpunkte aus der Kritik der ersten Stunde wichtige Themen sind, derer sich unserer Geselschaft annehmen muß.
    Es ist wichtig und notwendig der Allgemeinheit, und das sollten nicht nur Schüler und Lehrer sein, den Umgang mit der Technik und den Medien zu vermitteln.
    Dazu ist es sicherlich auch angebracht ein paar Grundlagen zu erklären. Aber ich denke es ist z.B. ausreichend zu vermittelt, dass
    – heutzutage erst die Programmierung einem Gerät eine Funktionalitäten gibt,
    – Programmierung von Menschen gemacht und daher nicht unbedingt Fehlerfrei ist.

    Wenn einer Person bewust ist, dass z.B. eine Webseite eine flüchtige bzw. einfach änderbare Darstellung ist, dann wird sie sich evtl. eher Gedanken über die “Korrektheit” der dargestellten Information machen. Letzlich ist die einfache und kostengünstige Veränderung von Information eine Hauptursache für die Manipulationsmöglichkeiten im Internet. Man stelle sich die kosten bei einer Zeitung vor, wenn die Werbung ebenso “zielgerichtet” sein soll wie im Internet.

    Ein anderes aktuelles Thema ist die lokalisierung von Daten. Ich muss Niemandem Software schreiben beibringen oder die Details der Netzwerkkomunikation erklären, um Ihm verständlich zu machen, dass die Daten aus seinem FittnessTrainer bei dem Anbieter liegen und von diesem jederzeit eingesehen und verwendet werden können.

    Es ist eine Aufgabe derer, die etwas von der Materie verstehen zu versuchen die Nutzen und Risiken zu vermitteln und zwar möglichst allen und nicht nur den interssierten. Unsere Geselschaft muss es schaffen mit der Entwicklung mitzuhalten und dass kann bei den modernen Medien nicht mehr nur durch einen Leerplan und Lernkonzepte erfolgen, der/die sich nur langsam über Jahrzehnte hinweg ändern.

  4. Chris sagt:

    Ich halte das Thema für sehr wichtig. Habe grad erst die erste Stunde gehört, finde die Initiative auch gut. Stehe Aussagen wie “uns Codemonkeys züchten” aber sehr kritisch gegenüber. Genau wie den Begriff Medienkompetenz.

    Habe letzt erst mit Schülern gesprochen die Politik als Schulfach und weil das Schulfach trocken ist genau das auch auf das Wirklicheleben ™ übertragen haben. Daher kommt dann sehr oft ein Finde_ich_langweilig_ist_mir_egal_Einstellung, was sehr schade ist.

    Für mich setzt Medienkompetenz aber genau da an. Verknüpft man Bereiche die nichts miteinander zu tun haben um eine Vorteils- oder Machtposition zu erlangen. Aber genau so wichtig ist eine Einschätzung was möglich ist und was eben nicht. Letzteres sollte jemanden davor bewahren paranoid zu werden.

    Das Auto ist ein schönes Beispiel, allumfassend und für immer gültige Gesetze gibt es nicht. Damals sind die Menschen mit 30 Kilometer pro Stunde schon tödlich verunglückt.

    Ich werde mir später die Studie mal anschauen, befürchte aber wir Deutschen für unsere Skepsis z.B. beim Datenschutz mit dieser Studie eher abgestraft wurden. Natürlich sind wir eine zurückhaltende Gruppe, zumindest die Älteren. Die Jugend nutzt Technik dennoch zu offensive wie ich finde.

    Doch der Zug ist abgefahren. Ich will hier auch nicht Facebook oder Whatsapp bashen. Doch 8 von 10 Schülern Kommunizieren mit ihren Lehrern via E-Mails und Instant Messanger, schön das die Geräte genutzt werden können doch für mich ein Beispiel wo Medienkompetenz versagt. Fragt doch mal die Schüler wo die Daten liegen?

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