CR209: Open-Source-Finanzierung

Jeder will es, keiner zahlt?

Wer E-Mail-Verschlüsselung sagt, meint meist: GnuPG. Doch obwohl das Programm als Standard gilt, scheiterte ein Spendenaufruf, der die Kosten für Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung ermöglichen sollte, beinahe. Und GnuPG ist kein Einzelfall: Die nachhaltige Finanzierung von Open Source-Projekten ist schwierig ist, obwohl viele Projekte immer wichtiger für die zentrale Infrastruktur im Netz werden. Welche Modelle gibt es? Welche sind denkbar?

Darüber diskutiert Moderator Marcus Richter am Donnerstag den 26.02. ab 22 Uhr mit Gästen aus dem CCC sowie Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe live im CCCB in der Marienstrasse 11. Einlass ab 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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7 Antworten auf CR209: Open-Source-Finanzierung

  1. Travel777 sagt:

    Hallo zusammen,

    in der CR209 wurde mehrfach betont, dass fast jeder einem OpenSource-Projekt hilfreich sein kann. Nicht immer mit Geld. Der Beitrag natürlicher -trinkbarer- Produkte klingt interessant, aber ich habe eher etwas anderes im Sinn.
    Ich bin kein Programmierer, spreche aber Muttersprachen-Deutsch. Gern würde ich mich für die Übersetzung von GUI-Elementen oder Manuals ins Deutsche anbieten.
    Meine Frage: Gibt es Plattformen, die gezielt nach potentiellen Übersetzern suchen? Wie finde ich ein OpenSource-Projekt, das Unterstützung bei der Übersetzung benötigt?

    Viele Grüße
    Travel

    • danimo sagt:

      Es gibt wie immer keine pauschale Antwort, aber du kannst mal bei Transifex.com vorbeischauen. Das ist eine Uebersetzungsplattform, die auch von einigen Open Source-Projekten genutzt wird, etwa Fedora oder ownCloud. Dazu braucht es in der Tat nur einen Browser, um zur Uebersetzung beizutragen.

      Zu Anfang kannst du einfach loslegen (Transifex schlaegt dir auch Uebersetzungen fuer Standard-Termini vor), spaeter kannst du dann Korrektur lesen (“Reviewer” werden). Dazu sollte man allerdings erstmal ein Gefuehl fuer den “Sprachduktus” des jeweiligen Projektes entwickeln.

      Andere Projekte wie KDE betreiben Uebersetzungen innerhalb ihrer eigenen Infrastruktur (http://l10n.kde.org/). Dazu ist etwas mehr als ein Browser noetig, allerdings solltest du spaetstens als Korrekturleser die Software auch direkt testen (z.B. mit nightly builds), damit du verstehst, wie deine Texte im fertigen Produkt aussehen. Wenn die Entwickler lieb sind, schreiben sie bei Formulierungen, deren Uebersetzung uneindeutig sein kann noch Hinweise dazu, das ist aber praktisch leider eher die Ausnahme, weil sicht die meisten Entwickler darueber oft nicht im Klaren sind. Dann muss man direkt bei den Entwicklern nachhaken.

    • MM sagt:

      Hi, wenn du gezielt an Übersetzungen interessiert bist ist neben Transiflex auch http://www.translatewiki.net sowie http://www.launchpad.net eine Möglichkeit.

      Generell gibt es keine wirklich guten Möglichkeiten um als Außenstehender bei FLOSS Projekten reinzukommen (“kann X und suche hilfsbedürfdiges Projekte aus den Themenfeldern A,B,C, …”). Was ich kenne ist lediglich:
      http://www.openhatch.org , https://www.mozilla.org/de/contribute/ , https://www.gnome.org/get-involved/
      Das ist sicherlich ne Lücke wo es etwas projekt-unabhängiges braucht, was für alle dennoch ein zentraler Punkt ist. Github quasi für interessierte potentielle contributor ;-)

  2. André sagt:

    Warum wird denn GIMP mal eben im Vorbeigehen vor den Bus geworfen? Ich verwende die Software seit Jahren und bin völlig zufrieden. Und ich habe durchaus eine gewisse Nutzungstiefe und mache nicht nur simple Operationen. Mag sein, dass wenn man professionell als Grafiker arbeitet, GIMP aus diversen Gründen nicht mehr ausreicht, aber es würde mich sehr erstaunen, wenn es tatsächlich als unbenutzbar gelten sollte.

    • MM sagt:

      Naja unter dem Gesichtspunkt Usability ist Gimp (leider) noch weit von guter Anwenderfreundlichkeit entfernt. Es ist immer schwierig eine breite Community abzudecken, aber manchmal finde ich geben sich Projekte da auch zu wenig Mühe konsistente UIs und Abläufe zu etabblieren. Ein Projekt aus meinem Arbeitsumfeld ist etwa QGIS, wo das leider auch noch ziemlich chaotisch ist, obwohl die Funktionalität wirklich sehr gut ist.

  3. Niko sagt:

    Ich hoffe, große Dateianhänge per Mail wg. Musikvorschlag sind ok? ;)

  4. Lukas sagt:

    Also ich halte den Vorschlag, selbstständig arbeitenden Open-Source-Entwicklern im Falle einer Spende einen Projektmanager an die Seite zu stellen, für inakzeptabel. Ich denke nicht, dass Nutzer, die zu einer Geldspende bereit wären, dazu angehalten werden sollen, dies über eine Organisation oder Stiftung wie die FSFE abzuwickeln, und eventuelle Crowd-Funding-Kampagnen der Entwicker umgehen sollten. Klar, es kann natürlich sein, dass der Programmierer, der bei sich zu Hause am PC sitzt, Ahnung vom und Spaß am coden hat, nicht direkt der beste Produktmanager oder Finanzplaner ist, ja. Und es kann demnach natürlich auch passieren, dass dadurch Finanzmittel nicht optimal genutzt werden, ja. Aber dann ist das halt so. Ich finde, dass der Entwickler, der versucht, seine Arbeit zumindest zu einem Teil finanziert zu bekommen, sodass es ihm irgendwie möglich wird, einen größeren Teil seiner Zeit in ein Projekt zu investieren, selbst entscheiden können sollte, was mit den ihm zukommenden Spenden geschieht. Klar, es kann passieren, dass man dann Leuten Geld in den Rachen wirft, die damit nicht umgehen können. Aber wenn ich als Nutzer mich entscheide, für ein Projekt zu spenden, dann ist das in der Regel ein Projekt, was ich gut kenne und wo bereits in der Vergangenheit viele positive Ergebnisse vorlagen. Sei es der AdBlock in meinem Firefox, LibreOffice oder was auch immer. Und dann vertraue ich darauf, dass ich, wenn ich solchen Projekten mein Geld gebe, dazu beitrage, weiterhin positive Ergebnisse zu erbringen. Wenn das dann nicht so klappt, dann ist das halt so, dann hat meine Spende halt nicht so viel gebracht und ich werde vermutlich kein zweites Mal für dasselbe Projekt spenden, aber das hat doch keinerlei weitreichende Folgen oder ähnliches. Ich denke nicht, dass man Nutzer dazu anhalten sollte, bevorzugt an die FSFE oder andere Organisationen zu spenden, welche das Geld dann gerecht unter verschiedenen Projekten verteilen. Denn ich als Nutzer möchte selbst entscheiden können, welches Projekt in meinen Augen unterstützenswert ist. Und ich als Entwickler möchte auch die Möglichkeit haben, das mir gespendete Geld so zu verwenden, wie ich es für sinnvoll halte, ohne dass irgendein Projektmanager da nochmal den Finger draufhält. Klar, wenn der Entwickler selbst Hilfe sucht bei der Verwendung seiner Gelder, ist das natürlich legitim. Aber wenn der Entwickler sich die Verwaltung seiner Finanzen selbst zutraut, dann sollten wir es ihm auch zutrauen, und ihm die Freiheit lassen, das zu tun, was er für richtig hält, mit dem Risiko, dass daraus nicht das perfekte Finanzmarketing wird – denn das ist ja auch nicht erforderlich.

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